| Veranstaltung: | Leitanträge |
|---|---|
| Antragsteller*in: | dbb jugend (dbb jugend) |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 22.05.2026, 10:13 |
A3: Leitantrag „Sichere Perspektiven für Kinder und Jugendliche“
Antragstext
Die dbb jugend setzt sich für eine moderne, gerechte und zukunftsfähige
Gesellschaft ein, die die Lebensrealitäten von Kindern und Jugendlichen ernst
nimmt und aktiv gestaltet. Junge Menschen erwarten nicht nur verlässliche
Perspektiven, sondern auch echte Beteiligung, Chancengerechtigkeit und
gesellschaftliche Anerkennung ihres Engagements. Ihr Aufwachsen und
Erwachsenwerden ist geprägt von Finanz- und Umweltkrisen, Konflikten, Kriegen
und nicht zuletzt von einer jahrelangen Pandemie. Kinder und Jugendliche sind
die Zukunft unserer Gesellschaft. Deshalb ist es Aufgabe der ganzen
Gesellschaft, ihnen ein gutes Leben in Frieden zu sichern.
Vor diesem Hintergrund formuliert die dbb jugend folgende Forderungen:
Kinder und Jugendliche benötigen ein Umfeld, in dem sie gesund aufwachsen
können. Neben der körperlichen Gesundheit muss insbesondere die psychische
Gesundheit junger Menschen in den Fokus rücken. Sie benötigen eine besondere
Resilienz und Unterstützung. Die dbb jugend fordert einen niedrigschwelligen und
diskriminierungsfreien Zugang zu medizinischer Versorgung und psychologischer
und therapeutischer Unterstützung. Die Inanspruchnahme von Hilfe darf niemals zu
gesellschaftlichen oder beruflichen Nachteilen führen. Gesundheitliche
Versorgung muss vorbehaltlos gewährleistet sein und frei von Stigmatisierung
erfolgen.
Um Kindern und Jugendlichen guten Startchancen in ein selbstbestimmtes und
gestaltungsfähiges Leben zu ermöglichen, sind Investitionen in gute Bildung
unverzichtbar. Kitas und Schulen sind nicht nur Lernorte, sondern zentraler
Lebens- und Erfahrungsraum. Sie vermitteln nicht nur Wissen, sondern auch
soziales Miteinander und bilden die Basis für ein wertschätzendes
gesellschaftliches Zusammenleben.
Ein zentrales Anliegen der dbb jugend ist die Schaffung gerechter Bildungswege.
Bildung muss unabhängig von sozialer Herkunft und finanziellen Möglichkeiten
allen jungen Menschen offenstehen. Bestehende Ungleichheiten im Bildungssystem
sind gezielt abzubauen, Übergänge besser zu begleiten und Bildungswege
verlässlicher zu gestalten.
Schule, Ausbildung und Arbeitsmarkt müssen echte Zukunftsperspektiven eröffnen
und jungen Menschen Sicherheit für ihre persönliche und berufliche Entwicklung
geben. Gleichzeitig steigen die finanziellen Belastungen junger Menschen,
insbesondere im Bereich Wohnen und Mobilität. Steigende Mieten und
Lebenshaltungskosten erschweren vielen jungen Menschen den Aufbau einer sicheren
Lebensperspektive und können erhebliche psychische Belastungen verursachen.
Deshalb braucht es unterstützende Maßnahmen wie bezahlbaren Wohnraum,
Mietzuschüsse und stärkere Kooperationen mit Wohnungsbaugesellschaften, um
jungen Menschen gesellschaftliche Teilhabe und soziale Sicherheit zu
ermöglichen.
Für eine nachhaltige und klimafreundliche Zukunft fordert die dbb jugend zudem
attraktive Mobilitätsangebote für junge Menschen. Dazu gehören ein bundesweit
vergünstigtes Deutschlandticket, die Stärkung des öffentlichen
Personennahverkehrs sowie Förderungen für klimafreundliche Mobilität wie
Fahrradzuschüsse. Diese Maßnahmen entlasten junge Menschen finanziell und
leisten gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zur klimaneutralen Transformation
der Gesellschaft.
Im Zuge der digitalen Transformation fordert die dbb jugend umfassende
Sensibilisierungs- und Schulungsangebote im Umgang mit Künstlicher Intelligenz
und digitalen Technologien. Junge Menschen müssen frühzeitig befähigt werden,
digitale Systeme kompetent, kritisch und verantwortungsvoll nutzen zu können.
Dies umfasst sowohl den Schutz personenbezogener Daten als auch die sichere
Anwendung neuer Technologien im Alltag, in Bildung und Beruf.
Kinder und Jugendliche benötigen zudem Raum für soziale und kulturelle Teilhabe,
um ihre eigenen Fähigkeiten zu entdecken und zu entwickeln. Sport- und
Kulturangebote, aber auch internationale Jugendaustauschprogramme bieten
unerlässlicher Lern- und Gestaltungsspielräume für junge Menschen und benötigen
entsprechende Förderung.
In Anbetracht der beschriebenen vielfältigen Einflussfaktoren auf das Leben und
Kindern und Jugendlichen fordert die dbb jugend mit Nachdruck die Stärkung von
Jugendbeteiligung an politischen Entscheidungsprozessen.
Junge Menschen müssen bei Entscheidungen, die sie betreffen, frühzeitig,
strukturell und wirksam eingebunden werden. Beteiligung darf nicht symbolisch
bleiben, sondern muss transparent, nachvollziehbar und verbindlich gestaltet
sein. Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Sie muss vermittelt, erlebt
und aktiv gestaltet werden. Politische Bildung, Mitbestimmung und demokratische
Erfahrungsräume sind deshalb grundlegende Voraussetzungen für eine lebendige
demokratische Gesellschaft. Das Wahlrecht ab 16 ist ein wichtiger Schritt, um
politische Teilhabe zu stärken und jungen Menschen echte Mitverantwortung zu
übertragen.
Bildungseinrichtungen tragen dabei eine besondere Verantwortung. Mitbestimmung
im Schulalltag, im Unterricht und in schulischen Gremien muss gestärkt und
verbindlicher ausgestaltet werden. Schülervertretungen benötigen reale
Einflussmöglichkeiten und geeignete Rahmenbedingungen. Auch in der Ausbildung
braucht es starke Interessenvertretungen sowie klare Mitbestimmungsrechte in
allen Fragen, die Auszubildende betreffen.
Die dbb jugend fordert darüber hinaus eine nachhaltige Absicherung von
Jugendbeteiligung und Demokratieförderung. Bewährte Programme der Jugend- und
Demokratieförderung müssen langfristig fortgeführt und verlässlich finanziert
werden. Jugendverbände und außerschulische Bildungsangebote sind zentrale Orte
demokratischer Bildung und gesellschaftlicher Teilhabe. Ehrenamtliches
Engagement vermittelt jungen Menschen Verantwortung, Konfliktfähigkeit,
Beteiligung und Selbstwirksamkeit in besonderer Weise. Dieses Engagement muss
deshalb stärker anerkannt und gefördert werden. Dazu gehören verlässliche
Freistellungsregelungen ebenso wie eine stärkere Berücksichtigung ehrenamtlicher
Tätigkeiten bei Bewerbungen, Auswahlverfahren und beruflichen
Entwicklungsmöglichkeiten. Engagement für die Gesellschaft darf keine Nachteile
mit sich bringen, sondern muss ausdrücklich wertgeschätzt werden.
Bundesweite Förderprogramme bilden hierfür eine wichtige Grundlage. Programme
wie der Kinder- und Jugendplan des Bundes sowie „Demokratie leben!“ ermöglichen
nachhaltige Bildungs- und Beteiligungsstrukturen und stärken
Chancengerechtigkeit sowie demokratische Teilhabe. Förderprogramme müssen
konsequent an den Lebensrealitäten junger Menschen ausgerichtet sein und echte
Beteiligung ermöglichen. Kurzfristige Projektförderungen reichen dafür nicht
aus. Erforderlich sind dauerhafte Strukturen und langfristige
Planungssicherheit.
Die dbb jugend sieht diese Maßnahmen als grundlegende Voraussetzung dafür, eine
gerechte, demokratische und zukunftsfähige Gesellschaft für junge Menschen zu
gestalten. Nur durch verbindliche Verbesserungen in diesen zentralen Bereichen
kann es gelingen, junge Menschen nachhaltig zu stärken, gesellschaftliche
Teilhabe zu sichern und Begeisterung für Demokratie und gemeinschaftliches
Engagement zu fördern.