| Veranstaltung: | Leitanträge |
|---|---|
| Antragsteller*in: | dbb jugend (dbb jugend) |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 22.05.2026, 10:15 |
A1: Leitantrag "Gute Arbeit für alle – Zukunft sichern im öffentlichen Dienst"
Antragstext
Wir, die Beschäftigten im öffentlichen Dienst, sind das Rückgrat unseres
Staates. Nur mit und durch uns kann Demokratie gelebt werden, können politische
Entscheidungen umgesetzt werden und kann unser Gemeinwesen funktionieren.
Ob in Verwaltungen, Schulen, Hochschulen, Kitas, Krankenhäusern, bei Polizei,
Feuerwehr, Justiz oder in sozialen Einrichtungen – wir sorgen täglich dafür,
dass der Staat handlungsfähig bleibt und Menschen Unterstützung erhalten.
Gleichzeitig steht der öffentliche Dienst vor enormen Herausforderungen. In den
kommenden Jahren werden viele Beschäftigte in den Ruhestand gehen. Bereits heute
führen Personalmangel, steigende Anforderungen, hohe Arbeitsbelastung und
unzureichende Rahmenbedingungen zu wachsendem Druck auf die Beschäftigten.
Zugleich verändern sich die Erwartungen junger Menschen an Arbeit und
Arbeitgebende. Gute Arbeitsbedingungen, Flexibilität, Sicherheit, Mitbestimmung,
Diversität und Gesundheitsschutz sind keine Zusatzleistungen, sondern
Voraussetzungen für einen attraktiven öffentlichen Dienst.
Deshalb ist klar: Der öffentliche Dienst muss moderner, gerechter und
attraktiver werden.
Beschäftigte brauchen mehr Wertschätzung, bessere Arbeitsbedingungen und
verlässliche Zukunftsperspektiven.
Als Jugendgewerkschaft treten wir für einen öffentlichen Dienst ein, der den
Herausforderungen der Zukunft gewachsen ist – solidarisch, demokratisch und
leistungsfähig.
Unsere Grundsätze
- Der öffentliche Dienst ist Daseinsvorsorge und Grundlage einer
funktionierenden Demokratie.
- Gute öffentliche Leistungen brauchen gute Arbeitsbedingungen.
- Alle Beschäftigten verdienen gleiche Wertschätzung – unabhängig von
Statusgruppe, Herkunft oder Lebensrealität.
- Solidarität statt Spaltung.
- Modernisierung darf nicht zulasten der Beschäftigten erfolgen.
Gute Bezahlung ist Wertschätzung
Wertschätzung zeigt sich auch in einer fairen und angemessenen Vergütung.
Für Tarifbeschäftigte werden Entgelte in Tarifverhandlungen erkämpft.
Beamt*innen hingegen sind darauf angewiesen, dass Gesetzgebende eine
verfassungsgemäße Besoldung sicherstellen.
Mit seinem Beschluss vom 17.09.2025 hat das Bundesverfassungsgericht Maßstäbe
für eine amtsangemessene Besoldung konkretisiert.
Wir fordern deshalb:
- die Überprüfung aller Besoldungssysteme anhand dieser Vorgaben,
- die konsequente Anpassung verfassungswidriger Besoldung,
- die zeit- und wirkungsgleiche Übertragung von Tarifergebnissen auf
Beamt*innen,
- die deutliche Aufwertung von Ausbildungs-, Anwärter*innen- und
Einstiegsvergütungen.
Gute Arbeit im öffentlichen Dienst muss auch finanziell anerkannt werden.
Gute Arbeitsbedingungen statt Dauerbelastung
Der öffentliche Dienst darf nicht dauerhaft auf Kosten der Gesundheit seiner
Beschäftigten funktionieren.
Personalmangel, Arbeitsverdichtung und zunehmende Konfliktsituationen führen
vielerorts zu Überlastung. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an
Flexibilität und Erreichbarkeit.
Wir fordern:
- konsequenten Personalaufbau und realistische Personalbemessung,
- Schutz vor Überlastung und unbezahlter Mehrarbeit,
- moderne und flexible Arbeitszeitmodelle,
- bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben,
- Möglichkeiten zum mobilen Arbeiten, wo dies sinnvoll möglich ist,
- eine moderne und gesundheitsfördernde Arbeitsorganisation.
Psychische Gesundheit ernst nehmen
Die psychische Belastung im öffentlichen Dienst nimmt seit Jahren zu. Hoher
Arbeitsdruck, Personalmangel, belastende Einsätze und zunehmende
gesellschaftliche Spannungen wirken sich auf die Gesundheit vieler Beschäftigter
aus.
Psychische Gesundheit darf kein Tabuthema sein.
Wir fordern:
- die systematische Erfassung psychischer Belastungen am Arbeitsplatz,
- verbindliche Präventionsmaßnahmen gegen Überlastung,
- niedrigschwellige und kostenfreie Beratungsangebote,
- Sensibilisierung und Schulungen für Führungskräfte,
- ausreichend Zeit und Personal für gesundes Arbeiten,
- eine Arbeitskultur, in der psychische Erkrankungen offen thematisiert
werden können.
Gesunde Beschäftigte sind die Grundlage eines funktionierenden öffentlichen
Dienstes.
Carearbeit anerkennen und unterstützen
Viele Beschäftigte im öffentlichen Dienst übernehmen neben ihrer beruflichen
Tätigkeit Verantwortung für Kinder, pflegebedürftige Angehörige oder andere
Sorgearbeit.
Carearbeit ist gesellschaftlich unverzichtbar. Sie darf nicht zur zusätzlichen
individuellen Belastung werden.
Wir fordern:
- echte Vereinbarkeit von Beruf und Carearbeit,
- flexible und verlässliche Arbeitszeitmodelle,
- Teilzeitmöglichkeiten ohne berufliche Nachteile,
- bessere Rahmenbedingungen für mobiles Arbeiten,
- ausreichende Freistellungs- und Sonderurlaubsregelungen,
- Sensibilisierung von Führungskräften für die Bedürfnisse von Beschäftigten
mit Careverantwortung.
Ein moderner öffentlicher Dienst muss die Lebensrealitäten seiner Beschäftigten
berücksichtigen.
Flexibilität und Durchlässigkeit stärken
Berufsbiografien verändern sich. Junge Beschäftigte erwarten heute mehr
Flexibilität und Entwicklungsmöglichkeiten.
Der öffentliche Dienst muss deshalb durchlässiger und mobiler werden.
Wir fordern:
- einfachere Wechsel innerhalb des öffentlichen Dienstes,
- bessere Durchlässigkeit zwischen öffentlichem Dienst und freier
Wirtschaft,
- die Anerkennung von Berufserfahrung unabhängig davon, wo sie erworben
wurde,
- moderne Ausbildungsstrukturen mit vielfältigen Entwicklungsmöglichkeiten,
- die Sicherstellung sozialer Absicherung und Altersversorgung auch bei
Berufswechseln.
Der öffentliche Dienst muss attraktive Perspektiven bieten – nicht starre
Strukturen.
Modernes Berufsbeamtentum
Das Berufsbeamtentum bleibt ein wichtiger Bestandteil eines funktionierenden
Staates. Es gewährleistet Kontinuität, Neutralität und Verlässlichkeit
staatlichen Handelns.
Gleichzeitig erkennen wir an, dass das Berufsbeamtentum reformiert und
modernisiert werden muss.
Dabei gilt: Reformen dürfen nicht einseitig zulasten der Beamt*innen erfolgen.
Wir fordern:
- eine ausgewogene Betrachtung von Rechten und Pflichten,
- faire und amtsangemessene Besoldung,
- attraktive Rahmenbedingungen für Nachwuchskräfte,
- moderne Arbeitsbedingungen und flexible Arbeitsmodelle,
- transparente Beförderungs- und Beurteilungssysteme,
- stärkere Mitbestimmungsrechte.
Ein modernes Berufsbeamtentum muss attraktiv, gerecht und zukunftsfähig bleiben.
Digitalisierung und KI als Chance gestalten
Digitalisierung und Künstliche Intelligenz verändern die Arbeitswelt grundlegend
– auch im öffentlichen Dienst.
Dieser Wandel darf nicht über die Beschäftigten hinweg erfolgen.
Wir fordern:
- frühzeitige Einbindung der Beschäftigten in Veränderungsprozesse,
- umfassende Aus- und Fortbildungsangebote,
- den Einsatz digitaler Technologien zur Entlastung der Beschäftigten,
- transparente und verantwortungsvolle Regeln für den Einsatz von KI.
Digitalisierung muss unterstützen, nicht ersetzen.
Schutz und Sicherheit im Dienst gewährleisten
Beschäftigte im öffentlichen Dienst müssen ihre Arbeit sicher ausüben können.
Übergriffe, Gewalt und Respektlosigkeit gegenüber Beschäftigten dürfen nicht
hingenommen werden.
Wir fordern:
- wirksame Schutz- und Präventionskonzepte,
- ausreichende Sicherheitsmaßnahmen am Arbeitsplatz,
- konsequente Unterstützung der Beschäftigten bei Strafverfolgung und
Nachsorge,
- klare Haltung der Arbeitgebenden gegen Gewalt und Bedrohungen.
Wer für den Staat arbeitet, verdient Schutz und Rückhalt.
Diversität und Gleichstellung stärken
Ein moderner öffentlicher Dienst muss die Vielfalt der Gesellschaft
widerspiegeln.
Noch immer bestehen strukturelle Hürden und Ungleichheiten beim Zugang zum
öffentlichen Dienst sowie im Arbeitsalltag und beim beruflichen Aufstieg.
Wir fordern:
- diskriminierungsfreie Einstellungs- und Auswahlverfahren,
- gezielte Förderung unterrepräsentierter Gruppen,
- barrierefreie und inklusive Arbeitsplätze,
- bessere Vereinbarkeit von Familie, Beruf und persönlichen
Lebensrealitäten,
- Sensibilisierung und Fortbildungen zu Vielfalt und Antidiskriminierung.
Diversität ist keine Herausforderung, sondern eine Stärke des öffentlichen
Dienstes.
Mitbestimmung stärken
Gute Arbeitsbedingungen entstehen nicht ohne starke Interessenvertretungen.
Personalvertretungen sowie Jugend- und Auszubildendenvertretungen leisten einen
unverzichtbaren Beitrag für Demokratie und Mitbestimmung im Arbeitsalltag.
Wir fordern:
- ausreichende Ressourcen für Interessenvertretungen,
- echte Beteiligung auf Augenhöhe,
- stärkere Rechte für Jugend- und Auszubildendenvertretungen,
- eine Kultur der Mitbestimmung und Beteiligung.
Ehrenamt und gesellschaftliches Engagement fördern
Viele junge Beschäftigte engagieren sich auch außerhalb ihres Berufs für
Demokratie und Gesellschaft.
Dieses Engagement verdient Anerkennung und Unterstützung.
Wir fordern:
- stärkere Wertschätzung ehrenamtlicher Tätigkeit,
- wohlwollende Gewährung von Sonderurlaub,
- flexible Arbeitszeitregelungen zur Unterstützung gesellschaftlichen
Engagements.
Ein starker Staat lebt von Menschen, die sich einbringen – beruflich wie
ehrenamtlich.
Unser Auftrag als Jugend
Wir als junge Gewerkschafter*innen gestalten die Zukunft des öffentlichen
Dienstes aktiv mit.
Wir organisieren, vernetzen und vertreten junge Beschäftigte und kämpfen für
faire Arbeitsbedingungen, echte Mitbestimmung und einen modernen öffentlichen
Dienst.
Wir wollen einen öffentlichen Dienst, der Sicherheit bietet, Vielfalt lebt,
Gesundheit schützt und jungen Menschen echte Perspektiven eröffnet.
Schluss
Der öffentliche Dienst kann die Herausforderungen der kommenden Jahre nur mit
motivierten und gut ausgestatteten Beschäftigten bewältigen.
Sich auf die bisherige Attraktivität des öffentlichen Dienstes zu verlassen,
reicht nicht aus. Junge Menschen haben andere Erwartungen an Arbeit und
Arbeitgebende als frühere Generationen.
Deshalb braucht es jetzt echte Reformen, mehr Wertschätzung und bessere
Rahmenbedingungen.
Wir fordern einen öffentlichen Dienst, der modern, solidarisch und zukunftsfähig
ist – damit wir auch morgen motiviert Verantwortung für unsere Gesellschaft
übernehmen können.